Von Tropea nach Neapel

Der Törn fand statt vom 26.Mai-10. Juni                                   written by Lisa

Um 9:56 Uhr verließen wir unseren Ankerplatz in Tropea Richtung Amanthea.
Dieser kleine Hafen im Nirgendwo, war uns noch Bestens aus 2014 bekannt. Damals stand der Hafenmeister heftig winkend auf der Mole um uns zu warnen. Das Hafenbecken ist sehr flach und somit nur für Motorboote und kleine Segelyachten mit wenig Tiefgang geeignet.
DSC01180-kleinDiesmal wollten wir uns über Funk anmelden um den freundlichen Hafenmeister zu beruhigen, denn mit hoch gezogenem Kiel hat die Nis Puck nur 1 m unter dem Kiel. Die Konversation über Funk erwies sich allerdings für aussichtslos, da man nur italienisch sprach. Also fuhren wir trotz heftiger Proteste, (denn so viel konnten man verstehen), mit hoch gezogenem Kiel in den Hafen. Freundlicherweise, kam schnell Jemand zu Hilfe um die Leinen an zu nehmen, denn der Seitenwind war nicht ohne. Beim Manövrieren rückwärts, blieb dann das Ruder im Schlick stecken. Na das hätten wir natürlich auch hochziehen müssen. Als die Nis Puck dann nach einem nicht ganz so eleganten Anlegemanöver an der Hafenmauer lag, wunderten wir uns über die lauten Urwaldgeräusche. Man konnte Beos und Affen vernehmen. Wo waren wir hier gelandet? Nach gefühlten 2 Stunden befreite uns der Hafenmeister von dem „ Lärm“ und schaltete die Alarmanlage, die wohl Möwen und andere Vögel fern halten soll, ab. Als Martin ins Hafenbüro ging um uns anzumelden, nahm er Fotos von 2014 in Amanthea mit. Damals war Martins italienisch sprechende Schwester zu Besuch und der Hafenmeister war zu einem Plauderstündchen an Bord gekommen.
Ach wie groß war die Freude, als er die Fotos sah und natürlich erinnerte er sich.
Am 27.Mai ging es weiter Richtung Norden. Natürlich hatten wir wieder mal Wind gegen an. Also kreuzten wir zumindest die ersten 10 Seemeilen um nicht wieder den ganzen Tag zu motoren.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAUm 18:55 Uhr erreichten wir unser Ziel Cetraro, wo wir geschützt vor der Hafenmole ankerten. Hier verweilten wir 2 Tage, schauten uns ein wenig in der Umgebung um, flickten das Dingi und nutzen natürlich die guten Einkaufsmöglichkeiten bei LIDL.
DSC01301-kleinAm 30. Mai erreichten wir um 16:50 Uhr, nach 37,5 Seemeilen die große Bucht San Giorgio vor Sapri. Das kleine Städtchen hatte, außer einer schönen Hafenpromenade nicht allzu viel zu bieten. Es gibt jedoch eine Lavanderia (Wäscherei) mit Self Service und ganz in der Nähe ein Cafe mit WIFI.DSC01201-klein
Mit frisch gewaschener Wäsche lichteten wir am nächsten Morgen den Anker. Das Meer war platt, wie der Starnberger See und so nutze Martin die Zeit unterwegs um die Ankerwinsch neu zu befestigen. Dies lockte wohl ein paar Delphine an, die sich neugierig OLYMPUS DIGITAL CAMERAam Bug tummelten, während Martin die schweißtreibende Arbeit verrichtete. Nach 13,7 Seemeilen fiel der Anker bei Marina di Camerota ins kristallklare Wasser. Wir sprangen sofort hinein und schwammen zum Strand um uns die glatt gespülten Felsen aus der Nähe an zu schauen. Wirklich schön hier, wenn da nicht an Land die riesige Festbühne aufgebaut wäre. Hier finden wohl alljährlich Konzerte für Nachwuchskünstler statt. Dem Internet war zwar zu entnehmen, dass es erst einen Tag später losging, aber dem war leider nicht so, also ging es am nächsten Morgen weiter nach Acciaroli. Auf dem Weg dorthin konnten wir zumindest 16 der 27 Seemeilen segeln.
In den netten Altstadtgassen, wandelten wir, wie Hemingway es einst tat. Er holte sich 1951 in diesem Fischerdorf Inspirationen zu seinem Buch „ Der alte Mann und das Meer “ . Abends aßen wir in einer Pizzeria, die nach ihm benannt wurde.
Am nächsten Morgen fuhren wir zunächst in die Marina um für 10 Euro Wasser zu bunkern (Liegeplatz für eine Nacht wären 50 Euro gewesen). Dann machten wir uns auf Richtung Capri. Im letzten Büchsenlicht wurde im Süden der Insel in der wunderschönen DSC01335-kleinBucht von Marina di Piccola geankert. Die hohen Felsformationen und das klare Wasser gefielen uns sehr gut. Leider gab es nur mit großen Schwierigkeiten, bei denen Martin mit hoch gekrempelter Hose durchs Wasser waten musste, um dann kletternder Weise auf der Terrasse eines Restaurants zu landen, eine Möglichkeit unser Dingi an Land zu befestigen. Wir Yachties waren hier wohl nicht willkommen. Der Steg zum Anlanden, war für die unzähligen Ausflugsboote, die den ganzen Tag um uns herumfuhren und heftig viel Schwell verursachten, reserviert.
Mit einem abenteuerlich alten Bus fuhren wir in den Hauptort.
DSC01338-kleinCapri ist landschaftlich wirklich wunderschön, doch trotz des Nieselregens an diesem Tag konnten wir kaum einen Fuß vor den anderen setzten, es war einfach zu voll. Da unser Ankerplatz im Süden war konnten wir die berühmte „ rote Sonne“ leider nicht im Meer versinken sehen.
DSC01331-kleinObwohl kaum Wind war, stand abends unangenehmer Schwell in die Bucht. Einige Yachten um uns herum holten schon ihren Anker hoch und hauten ab.

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Das hätten wir auch besser getan, denn es wurde immer schlimmer und an Schlaf war nicht wirklich zu denken.Am Morgen des 07. Junis wurde der Anker schon um 6:00 Uhr gelichtet und unter Motor erreichten wir um 9:56 Uhr Torre Annunziata. Mit Blick auf ein OLYMPUS DIGITAL CAMERAFabrikgelände, das an die Bayer Werke in Leverkusen erinnert, fiel der Anker ins Wasser. Nun galt es Pompei zu besichtigen, welches Luftlinie nur 6 km von dort entfernt war. Die Verbindung dorthin ist allerdings denkbar schlecht. Zunächst mit dem Zug eine Station fahren, um dann ca. 1,5 km zu Fuß bis zum zentralen Bahnhof, wo wir erst nach 45 minütiger Wartezeit mit dem nächsten Zug nach Pompei gelangten. Dort angekommen für 3 Euro mit dem Shuttlebus zu den Ausgrabungen. Auf dem Fußweg zwischen den Bahnhöfen, schmerzte mein Knie so stark, dass wir noch schnell an einer Apotheke Halt machten um eine Bandage zu kaufen. Diese habe ich dann vor Ort mit Martins Hilfe angelegt, in der Hoffnung auf Schmerzlinderung.
Endlich in Pompei angekommen, stellten wir mit großem Schrecken fest, dass unser neuer Fotoapparat weg war. Also schnellst möglich wieder zurück zum Bahnhof (Taxi 3km 30 Euro), denn dort vermuteten wir im Cafe , den Fotoapparat vergessen zu haben. Verdammt hier war er nicht mehr. Also die Kellnerin und den Kiosk Besitzer gefragt, ob sie ihn vielleicht gesehen und zurückgelegt hatten. Man war sehr hilfsbereit, doch keiner sprach englisch und unser italienisch reicht auch nur aus, um paar Einkäufe zu tätigen. Nach langen Erklärungen mit Händen und Füßen, bei denen man uns mehrmals anbot ein Foto von uns beiden zu machen, wurde dann freundlicherweise das Videoband zurück gespult und es wurde klar, dass die Kamera schon bei Betreten des Bahnhofs nicht mehr in unserem Besitz war. Jetzt war alles klar, die Apotheke! An der Eingangstür winkte der Apotheker mir schon freundlich zu. Uff nochmal Glück gehabt.
DSC01483-kleinZurück in Pompei, schauten wir uns tief beeindruckt auf dem großen Gelände der alten Stadt, die man in Teilen wieder auf gebaut hat um. An einem heißen Augusttag, des Jahres 79 n.C. explodierte der Vesuv. Die gigantische Wolke aus Asche, Lava und Gasen, war Todesbote für etwa ein Fünftel der rund 10000 Bewohner von Pompei. Bei den Ausgrabungen, die ab 1863 erfolgten, wurden Tempel, Theater, Thermen, Villen, Werkstätten, Kneipen und Geschäfte freigelegt. Im Abraum stieß man auch auf Hohlräume, welche die Körper der Opfer hinterlassen hatten. Man goss diese Formen mit Gips aus und erhielt so die Abbilder des Todeskampfes die teilweise auf dem Gelände ausgestellt sind. Pompei ist die größte Stadtruine der Welt und wird jährlich von ca. 2 Millionen Menschen besucht.
Erleichtert lichteten wir am 09.Juni um 9:12 Uhr in Torre Annunziata den Anker, denn in dem stinkenden Drecksloch, wo sicher keins der Häuser die letzten 50 Jahre einen Pinselstrich gesehen hat, hielt uns nichts mehr.
Nach 12,7 Seemeilen erreichten wir motorender Weise Neapel. Mit dem Hopp on Hopp off Bus schauten wir uns die Sehenswürdigkeiten an und waren angenehm überrascht von der überwiegend gut in stand gehaltenen und mit vielen Parks und Grünflächen versehenen Stadt. Mehr Zeit blieb leider nicht, denn am nächsten Morgen erwarteten wir unsere Mitsegler Marco und Hendryk mit denen wir noch am gleichen Tag Richtung Ischia aufbrachen.

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